Nachrichten

Nachrichten gibt es von den Gedichten
kaum mehr manchmal schicken sie
jemanden der mich abholen und an
einen Ort bringen soll den ich nicht
kenne ein Wagen hält dann vor meinem
Haus und wartet mit laufendem Motor
oft stundenlang vom Fenster aus kann

ich sehen wie er in der Morgensonne
glänzt es ist verlockend aber hör zu
da geh ich nicht raus lieber putze ich
von oben bis unten das Haus und
gehe dabei verloren Jahre vergehen
bis man mich findet das Haar verfilzt
und abgemagert bist auf die Knochen

bin ich keine Freude für Blicke und
doch ist dies besser als wer weiß wo
zu landen den Lauf einer Pistole am
Hinterkopf und mit verbundenen Augen
den Boden unter den Füßen verlierend
für alle Zeit womöglich in Angst zu leben
sie kriegen mich sie kriegen einen immer

"Nachrichten" erscheint im März im Jahrbuch der Lyrik 2021

Ein Lied

Ein Jahr des Totschlags und der Dummheit
geht vorüber vor meinem Fenster singt
die Amsel ihr Herbstlied das Lied ist dünn
zu dünn für eine Notiz und die Klageweiber
gehen leer aus diesmal brauchen sie ihre
schwarzen Kleider nicht und werfen sie

über den Fernseher bevor sie den Müll
nach unten bringen Gemüseabfälle
kleingehobelt aus Trauer und Wut und
sonst noch dieses und das für die Tonne
ein Geruch nach Schnee liegt in der Luft
und sie blicken hinauf frösteln ein wenig

beim Anblick der Sterne und wünschen
sich fort packen in Gedanken die Koffer jetzt
müssten sie gehen aber oben warten in ihren
Höhlen die Kinder und können die Zukunft
nicht lesen aus der Anordnung der Möbel und
dem Fall der Schatten im Wohnzimmerlicht

 

aus: Das Wasser von gestern, Edition Azur, 2019

Das Jahr das keines war

Das Jahr das keines war trage ich noch
immer mit mir herum manchmal in stillen
Stunden stelle ich es vor mich auf den
Tisch und versuche darin zu leben es
gelingt mir nicht oft doch an guten Tagen

baue ich ein Haus auf einem der Hügel
inmitten von Grün und ich bin glücklich
alles riecht bis in die Träume hinein
nach frischer Farbe vom Wohnzimmer
aus sehe ich den Tomaten beim Reifen

zu und jetzt kommst du ins Spiel du
rufst mich nach draußen den alten
Küchentisch hast du unter die Bäume
gestellt wacklig wie mein Herz sagt
der Dichter in mir der immer weniger

wird bald nur mehr ein Körnchen das
durch meinen Körper wandert mal
hierhin mal dorthin stößt bis man wieder
beim Arzt sitzt mit trockenem Mund
und feuchten Händen aber noch ist

alles in Ordnung wir entkorken die
Flasche und geben dem Abend ein
wenig Magie und Gelächter und endlich
ist auch der Dichter still um diese Zeit
vertraut er der Sprache nicht mehr

 

aus: Warum gerade heute, Droschl Verlag, 2012